In der Wertungsklasse 24h Einzelfahren startete Stephan Mantler mit einem Fixie Inc. Pure Blood und zeigte mit seinen 574,24km, die Ihm zum 12ten Platz der Gesamtwertung und zum 1ten Platz der 24h Singlespeedwertung verhalfen, das auch ein Singlespeeder in einem Rennen dieser Art die Nase ganz weit vorn hat.
In der Wertungsklasse 12h Einzelfahren starteten Thomas Keplinger, Christan Voelkel und Wolfgang Obstmayer.
Die Platzierung in der 12h Gesamtwertung:
8. Platz - Thomas Keplinger - 294,88km
11. Platz - Christian Voelkel - 252,20km
12. Platz - Wolfgang Obstmayer - 221,16km
Die Platzierung in der 12h Singlespeedwertung:
1. Platz - Thomas Keplinger - 294,88km
2. Platz - Christian Voelkel - 252,20km
3. Platz - Wolfgang Obstmayer - 221,16km
Das Team von Fixedgear.at gratuliert allen Startern des Kuota Kraftwerkstrophy 2008.
Die Kraftwerk Trophy ist so ziemlich das geilste 24 Stunden Strassenradrennen von dem ich jemals gehört habe. Ich war schon letztes Jahr dafür angemeldet, aber 2007 musste die KT aufgrund (etwas lächerlicher) Probleme mit den örtlichen Obrigkeiten abgesagt werden... aber eines war sofort klar: sollte es eine KT08 geben bin ich definitiv am Start.
In einem Jahr kann ziemlich viel passieren. Das Leben geht weiter, Menschen ändern sich, und auch Events sind jedes Jahr anders. Die Kraftwerk Trophy 2008 wurde kurzfristig an einen ganz anderen Ort verlegt, und in der Zwischenzeit hatte ich meine Dissertation abgeschlossen und eine neue Stelle an der Universität Konstanz angetreten. Also konnte ich dieses Jahr nicht einfach alles Equipment für das Rennen in den Kofferraum schmeissen und die paar Kilometer nach Donnerskirchen fahren; stattdessen musste ich diesmal mit dem Zug nach Wien fahren, und vorher genau überlegen was in meinen Rucksack passt... noch dazu konnte ich mit dem ICE mein Rennrad nicht mitnehmen und musste mit dem Rad zurechtkommen das ich in Alexandra's Wohnung in Wien gelassen hatte: mein Singlespeed Cyclocrosser.
Aber bitte nicht mit Stollenreifen - die hab ich schon durch Slicks ersetzt. Aber sonst war das Programm 24hx48x16, ein Gang für alle Lebenslagen... 48x16 ist eine etwas lange Übersetzung, aber für weitere Basteleien war einfach kein Zeit. Damit war der Plan für das Rennen auch gleich klar: nix übertreiben und schauen was passiert. Mit 400km wäre ich schon zufrieden gewesen, und 500 - super. Aber ohne Zwang.
Alex hat mich dankenswerterweise nach Donnerskirchen gebracht, aber sie hatte bessere Pläne als dort 24 Stunden herumzuhängen und mir zuzuschauen wie ich im Kreis herumgondle... und nachdem ich für das Rennen keine wirklichen Pläne hatte, würde ich mich einfach selbst versorgen und betreuen.
Da ich auch auch kein Zelt hatte (wir erinnern uns: das Platzproblem), konnte ich zum Glück bei den Jungs von FIXEDGEAR.AT unterkommen. Perfekt - somit hatte ich alles in Griffweite direkt im Start/Ziel-Gelände. Nicht dass ich viel mit hatte.. ein bisschen Futter, Ersatzschläuche, und meine Geheimwaffe: frisch gekochte Hühnersuppe. Abgesehen davon würde ich mich einfach an die hervorragende Verpflegung vor Ort halten...
Der Start war ziemlich normal, was 24h-Rennen angeht: viel zu schnell. Ich bin nur ein paar Runden mit der Spitzengruppe mitgefahren, es war aber ziemlich bald klar dass ich das Tempo nicht halten können würde. Die Anstiege waren kein Problem, aber was mich fertiggemacht hat waren die Beschleunigungen aus den Kurven (zu lange Übersetzung um wieder auf Speed zu kommen) und die schnellen Abfahrten (zu kurze Übersetzung um mit einer sinnvollen Trittfrequenz zu fahren). Also hab ich eine Zeitlang mitgespielt, aber siehr bald das Tempo rausgenommen um meinen eigenen Rhythmus zu finden. DIe Anstiege bin ich ab und zu mit Gruppen mitgefahren, aber abwärts hab ich mich nicht mehr wirklich bemüht mit ihnen mitzuhalten.
Alleine zu fahren hat durchaus seine Vorteile, vor allem mit einem Singlespeeder, weil ich nicht mit 160 Umdrehungen treten musste nur um mit einer Gruppe mitzuhalten. Ausserdem hatte ich keine Probleme, ab und zu stehenzubleiben und meine Trinkflaschen nachzufüllen (musste ich ja selbst machen). Also blieb ich alle 10-15 Runden kurz stehen, hab dabei vielleicht auch eine Kleinigkeit gegessen und mich dann wieder auf den Weg gemacht.
Den ganzen Tag über war es ziemlich heiss und schwül. Nicht gerade mein Lieblingswetter... von mir aus kann's heiss (aber trocken) sein, kalt, auch nasskalt hat seinen (etwas kranken) Reiz. Aber heiss und schwül? Nein danke. Ich hatte einige Probleme meinen Rhythmus auf der Strecke zu finden, und ständig irgendwelche Probleme im Kopf.. die Hitze, die ungewohnte Sitzposition, falsche Übersetzung, stress in den Tagen vor der KT -- tausend negative Gedanken...
Aber mit dem Abend wurde es endlich etwas kühler, und (so komisch das auch klingen mag) ich freute mich schon sehr auf die Nacht. Kühle, weniger Wind, und die Abwechslung durch die Dark 12 Fahrer. Das 12h-Rennen war ja von 21 bis 9 Uhr angesetzt... Kurz nach 8 blieb ich mal für eine längere Pause stehen, um einmal etwas anderes zu essen als Energieriegel und mich für die Nacht vorzubereiten - Beinlinge, Jacke und Licht... die Pause dauerte dann etwas länger, weil ich mich entschlossen hatte den Start des 12h-Rennens abzuwarten um deren Raserei in den ersten Runden zu entkommen.
Ab und zu hat mich Alexandra mit der einen oder anderen SMS amüsiert, und ich hab natürlich versucht nach Möglichkeit auch sie auf dem Laufenden zu halten, so gut es geht.
Die Nacht selbst verging überraschend schnell... wie üblich ging's mir immer besser, und auch die Rundenzeiten begannen wieder schneller zu werden. Die doch etwas technische Strecke war ein Riesenspass, vor allem die Rechtskurve nach der Spitzkehre - auf der Ideallinie steuerte man die Gebäudekante des auf der Innenseite stehenden Hauses an, um sie möglichst knapp zu verfehlen... herrlich! Ab und zu fuhr ich auch eine Weile mit anderen Fahrern um mit ihnen zu plaudern, aber die meiste Zeit war ich alleine in meinem kleinen Universum, kaum grösser als der Lichtkegel vor mir...
Ich hatte recht bald den Überblick verloren, wie viele Runden ich schon gefahren war, aber es war auch egal. In der Nacht wurde mein Magen etwas ungehalten über das viele süsse Zeug, und das war die Zeit für meine Geheimwaffe: bei jeder Pause etwas salzige Hühnersuppe, und die Welt war wieder in Ordnung! Und die Suppe war sogar noch heiss!
Irgendwann am Morgen hab ich dann doch einen Blick auf den Zwischenstand, und nachdem klar war dass ich auch die 500km ziemlich leicht erreichen würde, machte ich noch eine etwas längere Pause. Eine Stunde Schlaf klang nach einer ziemlich guten Idee, um für den Endspurt fit zu sein...
20 Minuten später war ich wieder hellwach und voll motiviert - also wieder ab auf's Rad. Trotz der Motivation waren natürlich schon einige Ermüdungserscheinungen zu bemerken. Mein linkes Knie war nicht sehr begeistert von der Aufgabe, die Kurbel einige tausend Mal im Kreis zu bewegen, und selbst die eigentlich kaum erwähnenswerten Anstiege wurden immer schwieriger.
Trotzdem wurden mit dem neuen Tag meine Runden wieder schneller, so weit dass ich wieder einige Runde mit der führenden Gruppe mitfahren konnte - bis diese auch das Tempo für die letzten paar Runden anzogen. Die Dark 12 Fahrer verliessen uns so schnell wie sie gekommen waren, und die letzte Stunde gehörte wieder den 24h Fahrern alleine.
Als ob das Wetter auf diesen Moment gewartet hätte, fing es kurz nach dem Ende der Dark 12 an leicht zu regnen... Mist! Überraschend rutschige Kurven und 23 Stunden im Sattel sind keine besonders gute Kombination. Aber zum Glück blieb es bei ein paar Tropfen.. langsam versuchte ich abzuschätzen, wie viele Runden sich wohl noch ausgehen würden. Nachdem ich ohne Pulsmesser oder Radcomputer unterwegs war, hatte ich auch keine wirkliche Ahnung wie lange ich zu diesem Zeitpunkt für die 3.9km brauchen würde. Als wir also nach 23:51 am Ziel vorbeikamen, war klar dass ich mit etwas Glück noch eine Extrarunde anhängen könnte... ich bräuchte mich nur etwas zu beeilen. Also Vollgas für eine Runde, und schauen was passiert. Das Ergebnis war eine meiner schnellsten Runden des ganzen Rennens, deutlich unter 7 Minuten... und natürlich konnte ich damit noch recht gemütlich eine Extrarunde anhängen.
Und dann war's auch schon wieder vorbei.
Ich zog mich um, und weil sonst nicht wirklich viel zu tun war, stürzte ich mich auf das Buffet. Und, selten habe ich so etwas erlebt: es gab noch immer alles. Die KT ist tatsächlich eines der ganz seltenen Rennen, bei denen es sogar nach dem Zieleinlauf noch ausreichen Futter für alle gibt. Auch sonst ist die KT durch und durch ein Vorbild für praktisch jedes andere Rennen... die familiäre Stimmung, perfekte Streckensicherung, harte aber ausgesprochen faire Konkurrenz unter den Teilnehmern, insgesamt einfach ein Hammer.
Eigentlich war keine eigene 24h Singlespeed Wertung ausgeschrieben, da selbst die Hardcore SSP Fahrer mit dem 12h Rennen genug hatten. Umso überraschter war ich, als ich bei der Siegerehrung dann tatsächlich aufgerufen wurde! Unpackbar, ich hab' tatsächlich bei der legendären Kraftwerk Trophy abgeräumt! Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich noch ein bissl mehr angestrengt... aber auch so war ich letztlich 12. in der Gesamtwertung mit insgesamt 148 Runden / 574km, deutlich mehr als ich mir erhofft hatte.
Danke an NoPain, RICH:ART und alle anderen 2RadChaoten und anderen Mithelfer für die perfekte Organisation vor und während der KT, an die FIXEDGEAR.AT Jungs für das Asyl, die Zuschauer und Teilnehmer die mich unermüdlich 24 Stunden lang angefeuert haben, und an Alexandra, die mich ohnehin nur alle 2-3 Wochen für ein paar Tage sieht und mir trotzdem praktisch das ganze Wochenende freigegeben hat.
I'll be back!
Die bewegte Geschichte Österreichs ist um ein historisches Ereignis reicher: Die Schlacht am Gottesacker ist geschlagen!
72 Pedalritterinnen u. -ritter stellten sich dem Kampf gegen die Zeit und sie alle haben gewonnen.
Gelegen im wunderschönen Burgenland, unweit des Neusiedler Sees, bot die Strecke ein vielfältiges Profil, das das Herz jedes Straßenrennradfahrers höher schlagen ließ. Der Kurs verlief sanft hügelig und kurvenreich durch die Peripherie von Donnerskirchen.
Erschien einem die Strecke beim ersten Ansehen noch als sehr eben und unspektakulär, wandelte sich dieser Eindruck nach einigen Stunden des Befahrens. Sanfte Steigungen wurden zu genickbrechenden Stichen, ein kleines Küppchen zum Zünglein an der Waage, die Absteigen oder Weiterfahren gegeneinander abwog.
Eine Kurve, für die man aus voller Geschwindigkeit abbremsen musste, war traumhaft zu fahren, indem man sich einfach reinwerfen und rausbeschleunigen konnte, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass hoffentlich niemand hinter der Ecke des Häuschens, das direkt an der Innenseite der Kurve stand, herumkrebste.
Aus meiner Sicht war das Rennen einfach super, gut organisiert, jederzeit konnte man sich etwas zu essen holen und überall waren Leute, die einem zusprachen und anfeuerten.
Durch die heuer noch geringe Teilnehmerzahl verteilten sich die Fahrer/innen zum größten Teil gleichmäßig über die Rennstrecke und nur wenige Fahrerfelder konnten sich bilden. Die größten Packln entstanden rund um Franz Venier und Chris Strasser, die beide ihre Wertungen gewinnen konnten, Franz Venier die 24 Stunden mit 807,04 km und Chris Strasser die 12 Stunden mit 415,16 km.
Ich war also die meiste Zeit alleine unterwegs und wünschte mir das auch die meiste Zeit, ich wollte gar nicht bei jemandem im Windschatten hängen und meinen Rhythmus an irgendwen anpassen. Schon die Tatsache, dass sich irgendwann zwei Fahrer bei mir in den Windschatten gehängt hatten und ich sie zwei oder drei Runden mitzog, störte mich so sehr, dass ich kurzfristig beschloss, ein zweites mal zur Labe zu fahren um mir wieder eine warme Mahlzeit zu gönnen. Sorry Jungs!
Mit 11 leicht essbaren Hofer-Riegeln und 25 Achteln H²O schlug ich mich durch die Nacht. Den Grausen, den ich nach dem dritten Riegel bei jedem einzelnen empfand, kann ich kaum in Worte fassen. Jedenfalls werden die verbliebenen Exemplare noch eine Zeit lang lagern, bevor ich sie wieder anschauen oder gar essen will.
Ich empfand das Fahren in Dunkelheit als sehr angenehm und freute mich sehr darüber, dass die geliehene Fenix mit einem Akkupack lockerst das Auslangen fand und ich mir einen Stop zum Wechseln der Akkus sparen konnte. Dass die Sonne dann doch mal aufging, war zwar ein schöner Anblick, aber mir wär's lieber gewesen, sie hätte das erst später gemacht.
Bald hatte ich meinen relativ konstanten Rhythmus gefunden und somit auch eine optimale Trittfrequenz in den jeweiligen Streckenabschnitten. Vor allem in der zweiten Rennhälfte folgte ich den etablierten Abläufen, weil ich sah, dass sie funktionierten. Erst in den letzten zwei Stunden kam das körperliche Ende, was die zum Greifen nahe liegende 300km-Marke dann knapp unerreichbar werden ließ.
Was nicht ganz optimal war, ist die Tatsache, dass mein Radcomputer mit zu hohen Werten rechnet und ich deshalb dachte, die 300 km doch noch zu erreichen. Im Ziel waren es dann 294,88 km nach ziemlich genau zwölf Stunden. D.h. ich werde wohl doch mal manuell den Reifenumfang abmessen und die Zahl im Computer ändern. Der übrigens zeigt mir 300,39 km.
Sehr angenehm waren auch immer die eingestreuten Plaudereien vor allem mit dem Pulsi und dem Gatschbiker, sowas hilft einem schon immer wieder.
Meine Übersetzung war 39:14, was für meinen Konditionszustand das Optimalste war. Erst am Ende des Rennens hatte ich das Gefühl, ich würde die sanften Anstiege nicht mehr schaffen, aber das lag wohl eher daran, dass mir langsam die Energie ausging. Energie konnte ich in den letzten Stunden vor allem aus den Anfeuerungen im Start/Ziel-Bereich schöpfen. Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man dort weitermotiviert und teilweise sogar namentlich berufen wird. Ein Dankeschön hier an alle, die die Nacht hinter den Absperrgittern durchgehalten haben!
Tja, und irgendwann war's dann aus. Nach Duschen und Zelt abbauen kam die Siegerehrung, die mich besonders freute, weil ich das erste mal in meinem Leben auf einem Podest stand und dann noch dazu ganz oben. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr runter gegangen, aber ich wollte die Zeremonie nicht stören und setzte mich dann doch wieder an den Tisch.
Erfahrungen: Man kann sich auch nach einem 12-Stunden-Rennen wohlfühlen, wenn man sich ein wenig vorbereitet, man kann sich auch während eines 12-Stunden-Rennens wohlfühlen, wenn man sich ein wenig vorbereitet und am Treppchen zu stehen ist schön.
Nächstes Jahr wieder!