THE SLOVAKIA EXPERIMENT 2010 - DEUTSCH

08.01.2010 | 08:30

 

Der österreichische Rundfunk wirft über sämtliche Radio und Fernsehsender Wetterwarnungen aus: "Bitte bleiben sie zuhause, lassen sie ihr Auto stehen, ?" Ideale Voraussetzungen für den Probelauf des slowakischen Experiments von fixedgear.at. Eine kleine Gruppe von Schnee-geilen Fixie und Singlespeed Enthusiasten wagt sich in die verschneiten Weiten des Donauradwegs abseits des urbanen Zonen von Wien. 80min später, die harte traurige Wahrheit, jegliche Rennrad oder Cyclorossbereifung macht es unmöglich nach Bratislava über diese Route durchzudringen. Nach kurzer Absprache mit dem Veranstalter werden neue "Empfehlungen" und Warnungen in die große Forenwelt für alle anderen Starter entsandt. Es beginnt nun das große Feilschen um Niederschlagsmengen, richtiges Material, Alternativrouten und der Fahrzeit.

 

09.01.2010 | 09:30

 

Der Wecker hat schon vor Stunden geklingelt, ein letztes Joghurt mit Müsli bevor die TourDeLeiden pt.1 wie ich sie liebevoll nenne beginnt. Die Taschen voll mit frischen Gebäck, Mineral und Energygetränken. An meinen Füßen sitzt hartes Material, dickes Schuhwerk mit einem Herz aus Nässesocken, einer Lunge aka. Bundesheerwollsocke und einer Haut aus einem Pastiksackerl. In der S-Bahn wird mit dem ersten ebenfalls wetterunempfindlichen Fahrer schon über Starter-und Finisherzahlen und deren Zeiten gewettet. Am Stephansplatz angekommen, wie schon erwartet eine Menge von unzähligen Gleichgesinnten. Bunt sind sie gekleidet, unter ihnen auch ein paar versteckte die mehr einem Taucher, Eishockeyspieler, Pirat, Fernkämpfer oder gar Hansi Hinterseer gleichen.

 

Nach kurzen Guten Morgen Floskeln und Materialscherzen beginnt auch schon der Start, der anfangs sehr betont mit allen Warnungen und Empfehlungen bespickt wurde. Zügig startet das Feld in Richtung des ersten Checkpoints, eine Traube von Helden auf Rädern frisst sich durch die engen salzbedeckten Gassen von Wien. Teilweise mit einem Tempo dass, sogar einer Gruppe von Polizisten nur ein leerer Gesichtsausdruck auf ihr Gesicht gezeichnet ist. Passanten und Autofahrer wirken wie immer überrascht. Der goldene Johann ist erledigt, zwei hübsche Kitty's überholt, eine weitere ziert mein Manifest. Liegt nur mehr das gute alte "Dusika" und Bratislava vor uns. Für mich und vier weitere Männer war eines klar, wir fahren trotzdem den fast aussichtslosen Donauradweg. Das Richtige Material ist ja jetzt am Mann. Als Einstimmung gab es sofort einen Reifendefekt. Vereinzelt schwirrt das eine oder andere Team noch aus der Stadt. Wie erwartet unter der Praterbrücke für die breite Masse das große Entsetzen: Der DRW unbefahrbar wie anfangs betont, wir eiern trotzdem kerzengerade weiter. Nur einige versuchen uns zu folgen, aufgrund des Materials wählte das restliche Starterfeld klugerweise die alternative Route und wird mit großer Sicherheit vor das Ziel passieren. Mir und den anderen geht es schon lang nicht mehr um den Sieg?

 

Auf geht?s durch die Hölle, anfangs noch gut erschlossen mit einigen Spuren ein und mehrspuriger Fahrzeuge gab es außer ein wenig Vorgeschmack durch patzigen Schnee noch keine besonderen Ereignisse. Andere Helden überholen uns, kommen uns entgegen mit Meldungen die nicht viel versprechend klingen. Fest entschlossen ziehen wir weiter. Von einem teilweise geräumten, bis über mehr Loipen ähnelnden Zustand zeigt der Weg abwechselnd seine Gesichter. Der Akkustatus meiner LED-Lampe gleicht dem meines Körpers, 70%. Manchmal erwische ich mich bei den Gedanken wie schön es doch letztes Jahr war: Sonne, windstill, -15°C? Hoppla schon wieder aus der Spur getrudelt. Mittlerweile fahren wir eng zusammengekauert in einer 5er Kette. Die zäh wirkende Optik der Donauauen wird untermalt von Nebel, schweren Schneematsch und Nieselregen. Der erste zieht die Spur, der nachfolgende Schweif versucht sie zu halten, Abwechslung inklusive. Ein fast Nerven raubendes Unterfangen wenn man den Lenker auf einer 30mm breiten Spur ruhig halten muss. Pfosten, Häuser und Holzstöße werden als "Etappenziele" gesteckt um die Motivation nicht zu senken. Diese Fahrt ähnelt einer Endlosschleife. Der Kopf sagt betäubt durch Optimismus 2000m der Computer eiskalt zeigt dir ein Drittel oder gar die Hälfte weniger. Lage: Oar***! aber nicht aussichtslos. Es wird pausiert, gewechselt, zwei vereinzelte Fotografen bei Orth scheinen der einzige Bezug zur restlichen Außenwelt zu sein. Denn wir sind die einzigen in dieser Einöde. Ich ziehe die erste Spur, der Matsch wird saftiger und schwerer, genau so wie meine Beine. Ja wir fahren durch die Au, nein es ist doch nur eine 15m lange und 25cm tiefe Matsch-Wasserlacke. Trikots werden gewechselt, die letzten ungarischen Mehlspeisen, liebevoll EPO-Kuchen genannt vernascht, seltener als so manches Wildgetier stehen dann auch noch diese hässlichen grünen Tafeln mit einer unfassbar hohen Kilometeraufschrift. Aber der Zuckerschock beflügelt mich. Letzte Pause vor Bratislava, zusammengekauert unter der Brücke nach Hainburg rüsten wir uns mit diversen LED Lichtern um bei dem Hundswetter nicht übersehen zu werden. Mathias Idee mit dem Board am DRW zu carven ging auch nicht auf brachte uns nur zu lachen.

 

Ab nun kein Schnee mehr, nur mehr lästige Nässe aber dafür endlos wirkende Geschwindigkeiten von mehr als 15km/h. Für mich ist das Rennen gelaufen, ich verlasse die 5er Kette, denn mit einer bevorstehenden Operation am Oberschenkel sollt man[n] sich's nicht verscherzen. Oliver, Christian, Mathias und Max beißen noch einmal kräftig hinein und trotzen dem eisigen Regen wie ein Fels in der Brandung. Jeder Kilometer auf geräumten Beton fühlt sich jetzt besser als der Matsch am Donauradweg an, aber immer noch zu hart um dabei Spaß zu haben. Der Gedanke an ein warmes Essen, Bier und ein Dach über dem Kopf wird jetzt immer öfters von den Fontänen überholender Kraftfahrzeuge aus dem Kopf gewaschen. Nach insgesamt 6 Stunden worst case scenario ist das Ziel erreicht, ein warmes altes Pub in Bratislava. Der Eingang gefüllt mit eiskalten Stahl und einer Suppe aus Salz, Schnee und Eis. Wenige Stufen teilen uns von den Finishern, empfangen mit einem Applaus, das Gasthaus gefüllt mit erschöpften aber fröhlich wirkenden Gesichtern. Keiner von ihnen bereut einen einzigen Kilometer von Wien nach Bratislava. Jeder von ihnen hat seinem inneren Schweinehund getrotzt und ist in meinen Augen ein Held. Auch Helden aber fast schon Legenden sind die vier vom Donauradwegquartett.

 

Warum einfach wenn es auch kompliziert geht? Extrem ist immer relativ, aber eines ist absolut, TSE2010, ihre Finisher und jene TSE's die noch folgen.

 

Nikolas Jellinek für Fixedgear.at

THE SLOVAKIA EXPERIMENT 2010 - ENGLISH

Yesterday, 70 passionate cyclists attended a unique race called "The Slovakia Experiment" from the Stephansplatz in Vienna to the City of Bratislava. To make it more challenging, all the contestants, who started in groups of two, had to pass 3 checkpoints on their way through the winterly landscape, before they could celebrate their victory over the very demanding, muddy and icy conditions in a pub in the Centre of Bratislava. As the race was organized by fixedgear.at, a platform run by a few enthusiastics whose goal is to bring all different types of riders with a passion for riding their bikes with one gear only together, there was the restriction to use these so-called singlespeeders or fixedgear bikes.

 

A few days before the race took place everyone seemed quite confident and was looking forward to attending the race, but then the weather forecast came in: red weather warning for Vienna, claiming about 40 centimeters of snow to fall on Friday and Saturday. Contrary to the conditions in January 2009, when the race was held for the first time, where it was extremely cold but dry and all contestants were riding on the Donauradweg, this year was going to be totally different. Though it eventually didn?t snow that much, it was impossible to ride on the Donauradweg, which isn?t cleared of snow, with the thin slick tires typically used. And the prospects of riding more than 80km on the road north of the Danube, with snow on the sides of the road, snowmelt everywhere, rain from the sky and annoying traffic weren?t too inviting. But still, 70 of the 100 riders who registered for the race were brave enough to bear up against these conditions and amazingly all reached Bratislava ? exhausted and drenched with water and snow but still happy and healthy. Because in this extraordinary "Experiment" it was all about the adventure and finishing time was only of minor interest, a group of 5 people weren't afraid to take the challenge of fighting their way through on the Donauradweg. On their singlespeed mountainbikes equipped with wide mud tyres, they proudly arrived in Bratislava after almost 7 hours of snow, sweat and despair.

 

In the Slovakian Pub, while warming up and filling one's stomach, a bunch of sponsored cycling parts were drawn among all finishers of this race free of any entry-fee and everyone was sharing their experiences. And of course, the fastest team, who already came in after 3h10min, were honored and received two messenger bags. But in the end, everyone kind of felt like a winner.

 

Mathias Tischler for Fixedgear.at

DIE PLATZIERUNGEN

01 - RadTanCoreDem - Steinbach & Koblet

02 - TeamName:101 - Krusher & Max Power

03 - polar-express - Marucs & James

04 - CHIODO FISSO - Rocco & Simone

05 - Radcore Ventisette - Gerald & Klaus

06 - idea fixa - Tschöseppe Culicka & Lex Icon

07 - odabasz - Levente Eros & Pope Laslo Kruger

08 - két hülye növény - Wackor & Nyehljudov

09 - KaAhnung - Armin & Maxim

10 - Radcore Doppio Espresso - Wolfgang veloheld Gerlich & Peter Mistral Riegersperger

11 - LUKAS - Lukas L. & Lukas W.

12 - Radlteifl - Nikolaus Neugebauer & Hanno Mayregger

13 - EPS - Extreme Polar Squad - Gernot & Helmut

14 - Radcore 100± - Mime & Stefan S.

15 - B+W - sn0wcrash & salo

16 - D I E B L A U E N Reiter - R.duck alias Alexander Schreiber & The BUG alias Mario Käfer

17 - Hello Kitty Racing Team - Inga & Isabell

18 - die humboldt buben - Jürgen Czak & Marco di Salvo

19 - One life one gear - James & Tivadar

20 - nátingzfikszd - em & kiskubai

21 - Fejcsdmeg - Mohácsi Bálint & Avalos Hunor

22 - Revenge for old Philipp Mathers - Martin Helfert & Sabine Roßgatterer

23 - rychlé sípy - Pia & Boy

24 - Kondom - Konfour & Random

25 - we can't skid - qkac & Vitéz

26 - negy kerekkel - furtos & dodi

27 - twin city twins - Kaja & Manuel

28 - SevenAge Team Riders - Lukas & Simon

29 - 13. Hieb - Oliver & Christian

30 - eiserner vorrang - Mathias Tischler & Max Witek

31 - Radltaifl - Bernhard Falle & Philipp Knopf

32 - wird nachgereicht - Andrej & Alex

33 - Legio X. - Pulsinger & Sukram

VIDEO VOM RENNEN / VIDEO FROM THE RACE

FOTOS VOM RENNEN / PICTURES FROM THE RACE